(2016)

Sinnspagat. (M)ein Gott, ich lach doch nicht!

“Man darf nicht vergessen, daß eine Pflanze von Licht und Wasser lebt, nicht von Licht allein. Es wäre also ein Irrtum, nur auf die Gnade zu zählen. Es braucht auch irdische Energie.”
– Simone Weil

Unsere irdische Energie bedeutet Rausch und Ekstase. Wir trinken Wein und feiern Hochzeit. Die Hochzeit zu Kana. Wir warten auf das Wunder. Doch das Wunder bleibt aus. Wir warten noch immer. Denn der Wein will einfach nicht leer werden! Und so feiern wir weiter und weiter und weiter… Die Hochzeit wird zum Gottesdienst, das Blut wird Droge und irgendwo scheint ein Hoffnungsschimmer.

“Komm in mein Boot! / Ein Sturm kommt auf / und es wird Nacht. / Wo willst Du hin?
[…] So uferlos / die kalte See. / Komm in mein Boot!”
– Rammstein

(2015)

Vulgär-Heroismus. Denk ich an Jünger in der Nacht.

„Ich glaube, daß man Jünger bei allen Reserven, die ich natürlich ihm gegenüber habe, mit Respekt bezeugen muß, daß er sich nicht angepaßt hat an den, wie er es wahrscheinlich sagen würde, Vulgär-Heroismus. Ich glaube, er hat viele Schwierigkeiten gehabt.“
Heinrich Böll

Im Romanisten-Raum verarbeiten wir die erste Fassung von Ernst Jüngers In Stahlgewittern aus dem Jahr 1920 als Vorlage einer heroischen Utopie. Da diese – wie jede Utopie – nur abstrakt als Idee funktionieren kann, muss auch das Medium abstrakt sein. Es kann nur der Tanz erzählen, was nicht erklärbar ist. Anders läuft es auf der Studiobühne selbst ab. Die Hauptcharaktere des Films Unsere Mütter, unsere Väter lösen sich vom Film und müssen sich fernab aller kitschigen Nachkriegsauseinandersetzung und -ästhetik ihren Trieben stellen. Zwischen diesen Polen wandert eine orientierungslose Gruppe Schauspieler ohne eigene Bühne, Halt auf den fremden Spielstätten suchend, durch das Gebäude.

„The way to fight Nazism is to enjoy these elements, ridiculous as they may appear!”
Slavoy Žižek

(2014)

-DiePEST2o14-

Im Jahr 1914 kam es nicht zur Aufführung von Carlo Gozzis „Die Liebe zu den drei Orangen“ unter Wsewolod E. Meyerhold. Doch die drei Wunderlichen oder Niedrigkomischen haben überlebt und nehmen sich ein Jahrhundert danach des Romans „Die Pest“ von Albert Camus an.

Doch weshalb Camus?

Die Pest mit all ihren Schrecken ist 100 Jahre nach Beginn des Ersten und fast 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs aktueller denn je. In unserer „postideologischen“ Zeit leben wir in einem Vakuum. Die großen Grabenkämpfe haben vorherige Generationen ausgetragen. Und was bleibt uns? Wir sind zu jung für Rock ´n Roll, unsere ganz großen Themen sind weg und alles, aber auch wirklich alles, war schon mal in jeder erdenklichen Art auf der Bühne.

Bleibt uns die Rolle der dritten Generation, die das Aufgebaute zerstört? Dagegen wollen wir uns wehren: inhaltlich wie darstellerisch.

Und so stimmen wir gemeinsam ein: Wir glauben nicht an den veristischen Schauspieler! Wir glauben nicht an den veristischen Schauspieler! Wir glauben nicht an den veristischen Schauspieler…

THEATER TUT WEH!

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